Was für ein idyllisches Bild vom Landleben: ein Schäfer, ein paar friedliche Schafe und ein großer Haufen Wolle. Wer allerdings schon einmal live dabei war, weiß: zwischen fliegender Wolle, konzentrierten Schafscherern und skeptisch dreinblickenden Schafen steckt deutlich mehr Action, als man denkt. Besonders unsere sieben Coburger Fuchsschaf haben dazu eine ganz eigene Meinung.
Warum Schafe überhaupt geschoren werden müssen
Anders als Wildschafe verlieren viele Hausschafrassen ihre Wolle nicht mehr von selbst. Über Jahrhunderte wurden sie so gezüchtet, dass ihre Wolle immer weiter wächst, schließlich wollte der Mensch möglichst viel davon nutzen. Für die Schafe selbst bedeutet das jedoch: ohne Schur würden sie irgendwann mit einem immer schwereren Wollmantel herumlaufen.
Gerade robuste Rassen wie das Coburger Fuchsschaf entwickeln ein dichtes Vlies, das hervorragend gegen Witterung aller Art schützt. Ungepflegte Wolle kann allerdings verfilzen und Parasiten begünstigen. Die Schur ist daher kein „Beauty Styling“, sondern echte Tierpflege.
Heute ist die Zeit reif für die Schur
Die meisten Schafe werden einmal im Jahr geschoren – meist im späten Frühjahr oder frühen Frühsommer. Der Zeitpunkt muss gut gewählt sein: Es sollte nicht mehr bitterkalt sein, aber auch noch nicht hochsommerlich heiß. Schließlich sollen die Tiere nach der Schur weder frieren noch mit dicker Wolle in der Sommerhitze stehen.
Wir haben das momentan tolle Wetter genutzt und heute unsere sieben Coburger Fuchsschafe geschoren. Weil das gute Wetter auch in den nächsten Tagen so bleiben soll, können sich unsere Schafe an das deutlich luftigere Styling gewöhnen.
Was ein guter Schafscherer können muss
Wir durften heute live erleben, dass Schafschur ein bisschen mehr ist, als mal eben ein paar Haare schneiden. Wir hatten einen versierten Profi an unserer Seite, der mit Bestimmtheit, Ruhe und Geduld Schaf für Schaf geschoren hat, egal wie ruhig oder wild das jeweilige Schaf war. Unsere sieben Schafe sind nämlich sieben eigenwillige Charaktere: eins setzte sich fast freiwillig auf den speziellen Schersitz, ein anderes zappelte die ganze Zeit, eines spielte Verstecken bim Einfangen und wieder ein anderes blökte lautstark seinen Unmut heraus.

Unser Schafscherer hat die Tiere sicher gehalten, die Schermaschine präzise geführt und gleichzeitig darauf geachtet, die empfindliche Haut und den Schwanz nicht zu verletzen. Durch einen raffinierten, beweglichen Drehsitz konnte er das Schaf geschickt in verschiedene Positionen drehen. Ein Schaf einfangen, hinsetzen und scheren sieht fast so aus, als würde man mit dem Schaf tanzen.

Wir selbst betätigten uns dieses Mal als Helfer. Mit ruhigen Bewegungen, leisen Stimmen und entspanntem Umgang schufen wir die passende Atmosphäre, denn für die Schafe bedeutet das Scheren Stress. Unsere Schafe beruhigten sich tatsächlich, trotz einiger interessierter Zuschauer am Scherplatz und ließen sich gleich nach der neuen Frisur auch noch von uns die Klauen pflegen.
Und nach der Schur?
Nach der Schafschur sahen unsere Coburger Füchse erstaunlich schmal aber richtig „fresh“ aus. Die unterschiedliche Färbung der Tiere zeigte sich noch deutlicher als unter dem Wollmantel. Unsere Schafe rannten nach der Schur gemeinsam auf die angrenzende Weide. Sie standen dicht beisammen, beschnupperten und beguckten sich gegenseitig von oben bis unten, blökten im vielstimmigen Chor und genossen sichtbar ihre neue Bewegungsfreiheit.

Und was sagen die Schafe dazu?
Wenn unsere sieben Coburger Fuchsschafe während der Schur hätten sprechen können, wäre vermutlich ungefähr Folgendes zu hören gewesen:
„Huch, wie das kitzelt!“
„So kurz? Das ist ja wohl nicht euer Ernst.“
„Ich hatte mir diese Frisur extra über den Winter wachsen lassen!“
„Wer lacht, mit der rede ich nie wieder.“
„Wer hat meine Rollenwickler versteckt?“
„Moment mal, warum ist plötzlich der Wind direkt an meinem Bauch?“
„Sagt bitte niemandem in der Nachbarschaft wie ich jetzt aussehe.“
Und dann auf der Weide:
„Also gut, irgendwie fühlt sich das schon leichter an.“
„Kennen wir uns? Ich habe Dich noch nie gesehen.“
„Wisst ihr was? Eigentlich ganz angenehm. Aber nächstes Jahr verstecke ich mich trotzdem.“


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